Veröffentlicht am 22.01.2016

Mit Herz und Rückgrat für „sein“ Bergedorf

Schuhkönig stirbt mit 90 Jahren
von Ulf-Peter Busse - Bergedorf

Es ist ein Schock für die ganze Familie: Friedrich Schüttfort, zwar schon 90 Jahre alt, aber bis zuletzt körperlich wie geistig ausgesprochen fit, ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, erlag Bergedorfs Schuhkönig in der Nacht zum Sonnabend im Bethesda Krankenhaus einer schweren Lungenentzündung. Sein ganzes Leben – spätestens seit er 1947 ins Geschäft seines Onkels Fritz am Sachsentor einstieg – engagierte sich Friedrich Schüttfort für „sein“ Bergedorf. „Das Funktionieren der Einkaufsstraße, aber vor allem Menschen und die Lebensqualität im Bezirk lagen ihm immer am Herzen“, sagt sein Sohn Wido Schüttfort (60), der das Familienunternehmen heute in dritter Generation führt. „Leider erlebt er die Einweihung unseres Neubaus nicht mehr, für den er viele Jahre gekämpft hat.“

Engagiert war sein Vater in vielen Projekten, wo er stets mit neuen Ideen aufwartete und auch eine engagierte Diskussion nie scheute, manchmal auch Streit. Größter Erfolg auf diesem Feld war im Jahr 2000 die Verhinderung der Bebauung des alten ZOB Bergedorf mit einem Einkaufszentrum, das mehr als das Doppelte des heutigen CCB an Verkaufsfläche haben sollte. Mit Hamburgs erstem Bürgerentscheid stoppten die Bergedorfer das Projekt damals – und schrumpften es in der Folge auf die heutige Größe. Ein Erfolg, der auch auf Schüttforts Engagement basiert und entscheidend für das Überleben des Sachsentors war. Die Bissigkeit behielt Friedrich bis zuletzt – als Motor des kritischen Gesprächskreises im Haus im Park. Auch seine Liebe zu Bergedorf blieb ein Leben lang. 2011 zahlte sie sich für seine Heimat buchstäblich aus: Zum 100. Geburtstag des Familienunternehmens bat der Senior statt Geschenken um Spenden für den 2012 zu feiernden 850. Bergedorf Geburtstag. Mehrere tausend Euro kamen zusammen.

„Ich habe Friedrich Schüttfort als konstruktivstreitbaren, herausgehobenen sowie sozial und kulturell engagierten Vertreter der Bergedorfer Händlerschaft erlebt, dem die Entwicklung seines Bergedorf als Ganzes ehrlich am Herzen lag. Wir verlieren einen besonderen Menschen. Mir wird er fehlen“, sagt Bezirksamtsleiter Arne Dornquast. Auch CDU Urgestein Fridtjof Kelber, der mit Schüttfort schon in jungen Jahren in der katholischen Kirche aktiv war, lobt dessen Engagement „mit Leib und Seele für Bergedorf. Ein erfrischend unabhängiger Geist, den ich leider nie für meine Partei gewinnen konnte“. Auch Christa Timmermann, Vorsitzende des Bergedorfer Bürgervereins, in dem er natürlich auch Mitglied war, lobt seinen Ideenreichtum: „Er wollte mit mir demnächst bei einem Kaffee über seine neuen Pläne sprechen. Schade, dass es dazu nicht mehr kommt.“ Friedrich Schüttfort hinterlässt seine Frau Gertrud (89), vier Kinder, acht Enkel und vier Urenkel. Die Trauerfeier ist am Mittwoch, 27. Januar, 11 Uhr, in St. Marien am Sichter.

zum Artikel in der Bergedorfer Zeitung

zurück zur Übersicht