Veröffentlicht am 06.05.2015

Pavillon wird ein 50er-Jahre-Café

Fast Lane - Bei Rock'n'Roll aus der Jukebox über US-Oldtimer fachsimpeln
von Anne K. Strickstrock

Wo einst Kinderschuhe und Gummistiefel standen, wird demnächst Kaffee serviert: Den abgebauten Pavillon seines Schuhhauses bot Wido Schüttfort bei Ebay für Selbstabholer feil - und fand zahlreiche Interessenten, die lediglich das Material des Stahlgerüstes verwerten wollten. Dann aber meldete sich der Bergedorfer Diakon und leidenschaftliche Autohändler Michael Kolle bei ihm: "Als ich erzählte, dass ich aus dem Pavillon einen Oldtimer-Showroom samt 50er-Jahre-Café machen will, bekam ich ihn sogar geschenkt", freut sich der 46-Jährige.

In einer Freitagnacht Anfang März stand die Polizei-Eskorte für den Schwertransport samt 40-Tonner bereit: Der Pavillon war in drei Teile geschnitten und zur Sicherheit mit eingeschweißten Stahlstreben versehen worden. Jetzt steht er an der Kurt-A.-Körber-Chaussee 25, auf dem Gelände der Firma Fast lane muscle cars.

Etwa 20 Quadratmeter groß wird das Kundencafé sein, samt langem Chrom-Tresen und Rock-'n'-Roll-Klängen aus der Jukebox. Auf rot gepolsterten Sitzmöbeln lässt sich dann wunderbar fachsimpeln - mit Blick auf US-amerikanische Oldtimer, die im 40 Quadratmeter großen Stahlgerüst Platz finden. Eine alte Corvette, ein Ford Mustang aus den 50ern und ein Buick werden zu bewundern sein. Im Herbst soll Eröffnung sein, aber "erst einmal muss ich einen Bauantrag stellen, weil ich Betonstreifen gießen muss, sonst hält die Konstruktion nicht", sagt Michael Kolle, der den Pavillon wieder komplett verglasen will.

Seit mehr als zehn Jahren hat sich der vierfache Familienvater auf die Restauration von Oldtimern spezialisiert, meist Re-Importe aus den USA. Aus Arizona etwa stammt ein GTX-Hardtop-Coupé Baujahr 1967. Gleich daneben steht ein zweitüriger Sportwagen "Iso Milano" in Blaumetallic (Bj. 1965) - "echte Handarbeit aus den 60er-Jahren", sagt Kolle, der zweimal jährlich nach Amerika fährt, um spezielle Kundenwünsche zu erfüllen. Gleich 6,5 Meter lang ist ein silberfarbener Chevrolet Pickup Truck, sein Werkstatt-Nachbar strahlt in Weiß und Hellblau, ein 52er Cadillac.

Vor nicht allzu langer Zeit stand auch der amtierende Weltmeister im Bodybuilding in der Werkstatt: Patrick Heisel hatte sich sofort in ein Oldsmobil Cutlass verliebt und steuerte den Wagen nach Saarbrücken. Frisch verkauft ist auch ein 66er Dodge Coronet, das burgunderrote Schätzchen ist stolze 20 000 Euro wert. Michael Kolle: "Wir haben uns auf die Revision von Automatik-Getrieben spezialisiert und garantieren die Ersatzteil-Versorgung."

Längst nicht jeder Oldtimer-Fan muss gleich ein ausgewiesener Fachmann sein. Ist es ein Motorschaden oder ist bloß die Batterie kaputt? Um so was zu erkennen, bietet Kolle an einem Sommersonnabend einen "First-Aid-Kursus" an. Den genauen Termin wird das "Reparaturzentrum Bergedorf" noch auf seiner Internetseite bekanntgeben.

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