Veröffentlicht am 22.07.2015

Die Bauarbeiten der Schuhhaus Schüttfort Filiale Bergedorf beginnen

Nach jeder Menge Ärger um den Abriss der 200 Jahre alten Speicher,
beginnen am Montag die Arbeiten für das neue Schüttfort-Schuhhaus.

von Ulf-Peter Busse - Bergedorf

Mit reichlich Wut im Bauch starten Schuhhändler Wido Schüttfort und sein Architekt Carl Michael Römer den Vier-Millionen-Euro-Neubau an der Chrysanderstraße: „Montag beginnen die Ausschachtungsarbeiten“, blickt Römer zwar optimistisch in die Zukunft. Doch die permanente Kritik am Abriss der fast 200 Jahre alten Speicher nagt an ihm – vor allem der jüngste Vorwurf des Kultur- & Geschichtskontors, er habe beiden Altbauten durch sein Gutachten von 1996 gezielt den Todesstoß versetzt. „Damals war ich selbst überrascht vom schlechten Zustand der Speicher“, betont Römer. Zusammen mit dem Lohbrügger Holz- und Bautenschutz-Sachverständigen Bruno Bojarzin habe er die Gebäude damals in Schüttforts Auftrag mittels Bohrungen und sogar einer Endoskopie exakt analysiert. „Es zeigte sich, dass Pilze, Durchfeuchtungen und der Ausbau tragender Teile durch die Vorbesitzer die Standfestigkeit akut gefährdeten. Auch wenn ich eigentlich großes Interesse daran hatte, eine denkmalgerechte Sanierung vorzunehmen, mussten wir den Gebäuden attestieren, dass 75 Prozent ihrer tragenden und sogar 100 Prozent der nicht tragenden Bestandteile abgängig waren. Ganze Mauerfächer wurden bereits mit Spanholzplatten gegen ihren Absturz gesichert, die häufige Überschwemmung des Erdgeschosses hatte alle hölzernen Fußböden und Gründungen verfaulen lassen.“

Abrissgenehmigung kam postwendend
Auch Wido Schüttfort sieht sich zu Unrecht in der Kritik: „Seit wir die Speicher 1993 erwarben, forderte uns das Bezirksamt auf, sie endlich abzureißen.“ Bei allem Verständnis für engagierte Bergedorfer, die sich für den Erhalt historischer Bausubstanz einsetzen, bitte er „das mit Augenmaß zu tun. Mein Anliegen ist es, das östliche Sachsentor samt Mohnhof und dem Weg zur Bergedorfer Schloßstraße mit einem attraktiven Anziehungspunkt dauerhaft zu stärken. Das war mit den Speichern wegen ihres dramatischen Zustands unmöglich.“ Um sie überhaupt bis Ende 2014 als Verkaufsraum nutzen zu dürfen, seien notdürftig Stahlträger eingezogen worden. „Es war klar, dass das kein Dauerzustand bleiben konnte“, weist Schüttfort auf das geradezu spürbare Aufatmen in Verwaltung und Politik hin, als er vor einem Jahr den Abrissantrag stellte. „Die Genehmigung kam postwendend.“

Erdgeschoss soll bis Weihnachten stehen
Entsprechend rasant soll es nun vorangehen: Zwischen den bereits zehn Meter tief in den Boden gebohrten Stahlträgern werden während der behutsamen Ausschachtung in den nächsten zwei Wochen die Kellerwände gezogen. Eine extrem wichtige Arbeit, müssen sie doch dafür sorgen, dass weder Nachbargebäude noch die Chrysanderstraße in die Baugrube sacken. Mitte September soll der 350-Quadratmeter-Keller fertig sein, der Rohbau des Erdgeschosses bis Weihnachten stehen. Mit dem Richtfest rechnet Schüttfort im Frühjahr, mit dem Einzug „vielleicht schon vor Oktober“.

Schuhhaus wächst um 1000 Quadratmeter
Das Schuhhaus vergrößert sich dann an seinem Stammsitz auf knapp 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche über zwei Etagen und wird vielleicht um einen Textilhändler ergänzt. In die oberen Stockwerke ziehen vier Arztpraxen. Die erste große Bauverzögerung hat das Schüttfort-Projekt übrigens schon hinter sich: Eigentlich war der Baustart schon für Anfang Mai vorgesehen. Doch dann beraubte das Abriss-Unternehmen den alten, 80 Quadratmeter kleinen Keller seiner Decke und verfüllte ihn einfach mit Erde. Doch damit fehlte die Stabilität im Untergrund. Die Kellerreste mussten kompliziert freigelegt und neu abgestützt werden, bevor endlich der Neubau starten durfte.

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