Schuhmacharten
Wie werden Schuhe überhaupt gemacht?
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Der AGO Schuh
Woher kommt die Machart?
Ago ist eine praktische und relativ schnell durchführbare Machart, die bei allen Schuhtypen anwendbar ist. Ihr Name stammt vom gleichnamigen Klebstoff, der für diese Fertigungstechnik verwendet wird. Der italienische Gerbereimechaniker Dr. F. Rampichini entwickelte um 1911 diesen Klebstoff auf der Basis von Kollodiumwolle, mit dem es erstmals gelang, Leder mit Leder fest und haltbar zu verbinden. Diese Neuerung nannte Rampichini "Another Great Opportunity", kurz Ago. Die Machart löste in den Zwanziger Jahren die genähten Schuhe weitgehend ab. Heute ist der überwiegende Teil der Schuhe Ago-gefertigt.
Woran erkennt man diese Machart?
Ago-Schuhe sind leicht und formbeständig. In die Schuhe ist in der Regel eine Decksohle eingelegt unter der man die Zwicktäcks erkennen kann. Gelegentlich sind Klebstoffreste am Rand zwischen Oberleder und Sohle sichtbar.
Wie wird`s gemacht
1. Schritt
Aus den Futter- und Oberledern werden die Schaftteile jeweils paarig ausgeschnitten.
2. Schritt
Die Kanten der Schaftteile werden ausgedünnt (das sogenannte Schärfen). Dadurch lassen sie sich später leichter umfalzen und steppen oder verkleben.
3. Schritt
Die Sohlen werden mit einer speziellen Maschine ausgestanzt. Je nach Modell haben die Sohlen unterschiedliche Formen. Der Louis XV-Absatz beispielsweise ist innen unter dem Schuh ebenfalls mit Sohlenleder bezogen. Dazu muß die Laufsohle mit dem sogenannten Sohlenhals ausgestanzt werden.
4. Schritt
Für einen weichen Auftritt wird der Schuh mit einer Ausballung versehen. Sie kann beispielsweise aus Filz bestehen.
Der California Schuh
Woher kommt die Machart?
Die California-Machart kommt wie ihr Name schon verrät aus dem Westen der USA. ihre Ursprünge gehen zurück auf die Zeit der amerikanischen Bürgerkriege. In der Stadt Napa, einem ehemaligen Zentrum für die Schuh- und Lederindustrie nördlich von San Francisco, entwickelten Frauen eine Machart, die ausschließlich mit Hilfe von Steppmaschinen durchführbar ist. Da sich ihre Männer im Krieg befanden, konnten sie die schweren Arbeitsschritte der Bodenbefestigung nicht ausfahren.
Woran erkennt man diese Machart?
Typisch für California-Schuhe und meist auf den ersten Blick erkennbar ist der sogenannte Bezugsstreifen, ein gespaltener Streifen Oberleder, der ringsum an die Unterseite des Schaftes angenäht wird, mit einer dicken, weichen Zwischensohle verbunden. Drückt man das Schaftleder zur Seite, ist die Naht zwischen Schaft, Textilbrandsohle und Bezugsstreifen erkennbar. Da California-Schuhe nicht über einem Leisten gearbeitet werden, sind sie, ähnlich wie Mokassins, nicht sehr formbeständig. Durch die weiche Zwischensohle sind sie sehr angenehm im Auftritt und damit gewissermaßen die Vorläufer von Luftpolstersohlen. Die Machart wird häufig für Hausschuhe eingesetzt.
Wie wird´s gemacht?
1. Schritt
Die Schaftteile werden ausgestanzt.
2. Schritt
Teile des Oberleders werden von Hand zugeschnitten.
3. Schritt
Die Kanten der Schaftteile werden geschärft, also ausgedünnt.
4. Schritt
Flach aufliegende Schaftteile werden mit der Flachsteppmaschine vernäht.
Der San Crispino Schuh
Woher kommt die Machart?
Die San Crispino-Machart ist in ihren Grundzügen genauso wie die Ago-Machart strukturiert. Die San Crispino-Naht dient dazu, die mit Klebstoff erfolgte Montage zusätzlich zu verstärken. Aus diesem Grund wird die Machart auch Ago-Flex genannt.
Woran erkennt man diese Machart?
San Crispino-Schuhe erkennt man an der sogenannten Sohlenrand-Ziernaht (San Crispino-Naht). Die Brandsohle dieses Schuhs ist etwa 4 bis 10 mm breiter als der Leistenboden, steht also rings um den Schuh leicht über. Beim Überholen wird der Schaft über diese Brandsohlenkante gezogen. Anschließend wird er mit Hilfe der San Crispino-Naht mit der Brandsohle und dem unter ihr befindlichen Zwickeinschlag verbunden. San Crispino-Schuhe haben durch ihre breitere Leistenform eine sportliche Optik.
Wie wird´s gemacht?
1. Schritt
Die Schaftteile werden ausgestanzt.
2. Schritt
Speziell für die Musterfertigung werden Schaftteile in vielen Unternehmen von Hand ausgeschnitten.
3. Schritt Die Schaftteile werden gesteppt. Für flach liegende Nähte wird eine Flachsteppmaschine benutzt.
4. Schritt
Runde Schaftbereiche wie beispielsweise die Ferse werden mit Hilfe einer Säulennähmaschine versteppt. Dieser Arbeitsgang ist besonders schwierig, da die Hände, die die Schaftteile halten, nicht aufgelegt werden können.
Der direktangesohlte Schuh
Woher kommt die Machart?
Schon in den 50er Jahren bestand Rationalisierungsbedarf für die Montage von Schuhböden an Schuhschäfte.Um eine Sohle zu fertigen und mit dem Schaft zu verbinden waren immerhin bis zu 37 Arbeitsgänge erforderlich - viel zu zeit- und kostenintensiv. Daher waren besondere Verfahren gefragt, die es erlaubten, alternative Sohlenwerkstoffe wie zum Beispiel Gummi rationell zu verarbeiten. Die Lösung waren Vulkanisierpressen, mit denen es erstmals möglich war, eine Sohle aus Gummi in einem Arbeitsgang zu formen und gleichzeitig direkt mit dem Schaft zu verbinden. Das Direktansohlverfahren mit revolutionären Auswirkungen auf die Schuhfabrikation war geboren. Das Rangieren der Brandsohle, das Zwicken und alle weiteren Montageschritte entfielen somit oder wurden auf ein Minimum an Aufwand reduziert. Im nächsten Schritt wurde unter anderem der thermoplastische Kunststoff PVC für die Herstellung von Schuhsohlen entdeckt ein Werkstoff, der mit Mehrstationen-Spritzgießmaschinen in kurzen Zyklen zu verarbeiten war. Auslöser für diese Entwicklungen war auch die Mode: Polyurethanschaum (PU) ist ein Stoff, der starke Sohlen zu Leichtgewichten macht. Dieser Trend begann Ende der 60er Jahre mit extremen Plateausohlen und hat auch heute noch Bedeutung im Young Fashion-Bereich. PU-Sohlen entstehen aus reaktiven, flüssigen Komponenten. Sie kommen, auch in Kombination mit anderen Werkstoffen, heute nicht nur modischen, sondern auch komforttechnischen Ansprüchen entgegen. Beim Direktansohlen wird geschmolzene beziehungsweise flüssige Spritzmasse für die Sohle in eine auswechselbare Sohlenform gegossen und direkt mit dem über einen Metalleisten gezogenen Schaft verbunden. Der Schaft ist im übrigen meist bereits mit einer Textilbrandsohle (gestrobelt, also ringsum an den Schaft genäht) versehen. Nach dem Ausleisten wird überschüssige Spritzmasse entfernt; alle Finish-Arbeiten entfallen.
Woran erkennt man die Machart?
Sportliche, stark profilierte oder phantasievoll kreierte Sohlen werden in der Regel direktangesohlt (Turnschuhe). Die Strobelnaht ist beim Hochdrücken der Decksohle oder direkt beim Blick in den Schuh am Schaftrand erkennbar.
Der durchgenähte Schuh
Woher kommt die Machart?
Sein Name definiert bereits die Machart: Beim durchgenähten Schuh wird die Langsohle mit der Durchnähmaschine an Zwickeinschlag und Brandsohle (bzw. bei Mokassins an die Schaftböden) genäht. Zu diesem Zweck wird der Schuh ausgeleistet. Die Durchnähmaschine wurde von dem Amerikaner Gordon McKay 1859 entwickelt, was dem Verfahren auch den Namen "McKay" eingebracht hat. Typisch für die Durchnähmaschine ist das Metallhorn, das sich beim Nähen im Schuh befindet und am Schaftrand entlanggleitet. Bei klassisch durchgenähten Schuhen wird keine Zwischensohle angebracht; diese Schuhe sind leicht, biegsam und flexibel. Sommerliche Mokassins und Loafer sind häufig in dieser Weise gefertigt.
Beim kombiniert-durchgenähten Verfahren wird eine weitere Laufsohle angebracht, was den Schuh stabiler und strapazierfähiger (und auch wasserunempfindlicher) macht. Diese Machart wird bei stark beanspruchtem Schuhwerk wie beispielsweise Arbeitsschuhen angewandt, findet aber auch bei klassischen Herrenschuhanbietern Verwendung.
Möglich ist es auch, zum Durchnähen eine spezielle Zwischensohle aus Leder und Kork mit bereits befestigtem Rahmen zu verwenden. Diese Sohle wird wie beim Verfahren üblich per Durchnähmaschine mit dem Schaft verbunden. Eine Laufsohle wird anschließend angedoppelt oder angeklebt.
Woran erkennt man die Machart?
Bei durchgenähten Schuhen ist die Durchnähnaht im vorderen Schuh auf der Brandsohle sichtbar, wenn keine Decksohle eingelegt wurde. In diesem Fall kann man sie durch festen Druck am Schaftrand entlang ertasten.
Der flexibelgenähte Schuh
Woher kommt die Machart?
Das Flexibelnähen ist wahrscheinlich eine jüngere Fertigungstechnik. Sie wurde erst in den Dreißiger Jahren verstärkt eingesetzt. Die Machart ist schnell auszuführen – in einfachsten Version werden Schaft und Laufsohle direkt mit einer Doppelnaht verbunden. Die Maschine, mit der die Doppelnaht angebracht wird, ist der Sohlendurchnähmaschine sehr ähnlich.
Woran erkennt man die Machart?
Typisch für die flexibelgenähte Technik ist der nach außen abgewinkelte Schaftrand, der mit einer oder zwei Doppelnähten an der Sohle befestigt ist. Im nicht gefütterten Schuh ist beim Wegdrücken des Schaftes die Doppelnaht zu erkennen. Flexibelgenähte Schuhe sind, wie ihr Name schon sagt sehr biegsam und weich. In der Regel werden sportliche Schuhe mit dieser Fertigungstechnik verarbeitet. Auch Kinderschuhe werden häufig mit der typischen Flexibelnaht gefertigt.
Wie wird´s gemacht?
1. Schritt
Die Schaftteile werden ausgestanzt oder ausgeschnitten und bereitgelegt.
2. Schritt
Bei der industriellen Schuhherstellung (und zwar unabhängig von der Machart) werden die Teile, aus denen ein Paar Schuhe gefertigt wird, mit einem Stempel numeriert, damit sie sich später zusammenfügen lassen.
3. Schritt
Die Schaftteile (hier verschiedene Lederqualitäten) werden gesteppt.
4. Schritt
Typisch für sportliche flexibelgenähte Schuhe: Weiche Polsterungen. Sie werden ebenfalls sorgfältig mit den restlichen Schaftteilen verbunden.
Der Mokassin
Woher kommt die Machart?
Der schuhtechnische "Vorfahre"- dieser Machart ist die Fußbekleidung der Indianer; allerdings waren die ursprünglichen Mokassins ohne Sohle und Absatz gefertigt. Die frühen Schuhe dieser Machart wurden ausschließlich genäht. Heute wird zusätzlich noch eine Sohle und - bei eleganteren Modellen - ein Absatz angebracht.
Woran erkennt man diese Machart?
Mokassins haben keine Brandsohle. Dafür wird meist eine Teildecksohle eingelegt, die das offene Gelenkstück im hinteren Schuhteil überdeckt. In diesem Fall ist das Oberleder vorne im Schuh erkennbar. Wird eine komplette Decksohle eingelegt ist das Oberleder im vorderen Schuhteil nicht zu sehen. Auf dem Blatt des Mokassins ist der sogenannte Einsatz mit einer Naht (hier gibt es verschiedene Varianten) am Leder befestigt.
Wie wird´s gemacht?
1. Schritt
Die Schaftteile werden ausgestanzt. Die roten Flächen auf dem Stanzmesser zeigen die Löcher für die später anzubringende Mokassinnaht. Die Löcher werden also hier schon beim Stanzen mit perforiert. Es ist aber auch möglich, beim Nähen jedes Loch von Hand vorzustechen.
2. Schritt
Das Hauptteil des Mokassins, also der Schaftteil, der sich beim fertigen Schuh auch unter dem Vorfuß befindet, wird häufig von Hand ausgestanzt. Dieses Teil ist sehr groß; es wird also viel Leder verbraucht.
3. Schritt
Zwischen Hauptteil und Futter wird eine Verstärkung eingelegt. Das Futterleder wird dazu mit Klebstoff eingestrichen und fest an das Oberleder gedrückt. Die eingelegte Verstärkung ist notwendig, da dieses Mokassin-Modell später bei der Sohlenmontage durchgenäht wird. Ohne Verstärkungsmaterial kann die Durchnähnaht ausreißen.
4. Schritt
Die Kanten der Schaftteile werden geschärft, also am Rand ausgedünnt, damit sie später besser verarbeitet werden können.
Der rahmengenähte Schuh
Woher kommt die Machart?
Der Rahmengenähte Schuh hat seinen Namen von dem schmalen Lederstreifen, der rings um den Schuh angebracht ist und Schaft und Sohle zusammenhält. Ursprünglich wurde diese Machart in Handarbeit durchgeführt; mit Erfindung der Einstechmaschine 1869 und der Doppelmaschine 1870 durch Charles Goodyear erfolgte diese Fertigungstechnik auch von Hand und wurde "Goodyear"-Verfahren genannt.
Woran erkennt man diese Machart?
Rahmengenähte beziehungsweise Goodyear-gefertigte Schuhe sind generell schwerer als beispielsweise geklebte Modelle und darüber hinaus stabiler und langlebiger. Drückt man den Rahmen an der Seite des Schuhs ein, kann man sehen, ob er unter dem Schaftrand weiterverläuft oder nicht. In manchen Fällen kann man das Gemband, an dem der Rahmen befestigt ist unter der Brandsohle fühlen.
Wie wird`s gemacht?
1. Schritt
Die Schaftteile werden ausgestanzt. Je nach Schuhmodell, zum Beispiel bei einem Full Brogue, fallen sehr viele Schaftteile an.
2. Schritt
Die Kanten der Schaftteile werden geschärft. Hierzu dient das sogenannte Glockenmesser. Anschließend werden sie am Rand sorgfältig mit dem für hochwertige Herrenschuhe typischen Lochmuster perforiert.
3. Schritt
Die sogenannte Rosette (Lyralochung), die später auf der Schuhspitze zu sehen sein wird, muß mit einem speziellen Stanzmesser perforiert werden.
4. Schritt Die einzelnen Schaftteile werden miteinander verklebt und dann sorgfältig versteppt.
Der zwiegenähte Schuh
Woher kommt die Machart?
Zwiegenähte Schuhe sind genaugenommen eine Unterart des Rahmennähens. Der Deutsch-Amerikaner Eppler entwickelte diese Machart, in dem er das Rahmennähen abwandelte. Grundsätzlich sind Rahmen -und zwiegenähte Schuhe gleich gefertigt, sie unterscheiden sich durch die Art der Anbringung der Einstechnaht. Darüber hinaus werden Rahmen und Schaftrand nach erfolgter Einstichnaht nach außen umgebogen, so daß der Rahmen rechtwinklig absteht.
Woran erkennt man die Machart?
Die Einstechnaht befindet sich bei einem Zwiegenähten Schuh nicht innen auf der Brandsohle, sondern außen sichtbar auf dem sehr breiten, rechtwinkligen Rahmen. Daneben liegt die Doppelnaht. Schaft und Boden sind also durch zwei Nähte miteinander verbunden; deshalb zwiegenäht. Zwischen Rahmen und Zwischensohle ist der Schaftrand zu erkennen.